Bilanz 2015: VGH Versicherungen bleiben auf Wachstumskurs

In einem anspruchsvollen Marktumfeld haben sich die VGH Versicherungen positiv entwickelt.

  • Landschaftliche Brandkasse: Mehr Beiträge, Kunden und Verträge / Schadenaufwand steigt
  • Provinzial Leben: Neue Produktlinie stabilisiert das Geschäft
  • Provinzial Kranken: Beitrags- und Bestandsplus – auch in der Vollversicherung
  • Ausblick: Für Herausforderungen gut gerüstet

Für das Geschäftsjahr 2015 zog der Vorstandsvorsitzende Hermann Kasten auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover ein insgesamt zuversichtliches Fazit: „Vertrieb und Leistungen der VGH waren gewohnt stark, sie wurden unterstützt durch eine hohe Produkt- und Servicequalität. Das hat sich 2015 günstig auf unser Neugeschäft, auf Beitragseinnahmen und Bestandswachstum ausgewirkt. In fast allen Sparten und Kundengruppen sind wir besser als der Markt gewachsen.“

Gleichzeitig gilt es, sich den Herausforderungen durch ein schwieriges Kapitalmarktumfeld, hohen Schadenaufwand und anhaltenden Kostendruck erfolgreich zu stellen. Kasten: „Durch vorausschauende Weichenstellungen setzen wir den ertrags-, service- und sicherheitsorientierten Weg der VGH im Sinne unserer Versicherten fort.“ Dazu gehören eine solide Kapitalanlagestrategie und Risikovorsorge, umsichtiges Schadenmanagement, risikogerechte Tarifierung und eine Begrenzung von Sach- und Personalkosten.

Landschaftliche Brandkasse: Mehr Beiträge, Kunden und Verträge / Schadenaufwand steigt

Hermann Kasten VGH Versicherungen
Hermann Kasten

Die Beitragseinnahmen der für die Schaden- und Unfallversicherung zuständigen Landschaftlichen Brandkasse Hannover bewegen sich deutlich über Vorjahresniveau. Sie steigen im selbst abgeschlossenen Geschäft auf 1.118 Mio. Euro (Vj: 1.082 Mio.). Das Plus von 3,3 Prozent liegt über den Erwartungen und dem Branchenschnitt (GDV: 2,6 %). Das gesamte Beitragsvolumen der Brandkasse inklusive aktiver Rückversicherung steigt auf 1.173 Mio. Euro (Vj: 1.137 Mio., +3,2 %). Zur positiven Entwicklung der Kompositsparten tragen wesentlich die überplanmäßigen Beitragseinnahmen in den Feuer- und Sachversicherungen bei (+4,2 %; allein in Wohngebäude +5,8 %). Das Kfz-Geschäft als größtes Spartensegment der Brandkasse unterstützt das Wachstum mit 3,1 Prozent. Als erfreulich wertete Kasten auch den Zuwachs in weiteren Kernsparten. Dazu gehören insbesondere Haftpflicht (+2,1 %), Rechtsschutz (+6,4 %) und allgemeine Unfall (+2,3 %). Niedrige Stornoquoten stabilisieren die gute Beitragsentwicklung über alle Sparten hinweg. Die Zahl der Verträge im Bestand der Brandkasse zeigt mit 0,5 Prozent ein leichtes Wachstum auf mehr als vier Millionen.

Sorgen bereitet die weiterhin hohe Schadenbelastung. Hermann Kasten: „Nach den Rekordschadenjahren 2012 und 2013 hatten wir 2015 wiederum einen sehr hohen Aufwand zu bewältigen. Ursächlich waren zahlreiche Stürme mittlerer Intensität, viele teure Feuerschäden und eine erhöhte Grundschadenlast. Vertriebspartner und Mitarbeiter der VGH hatten alle Hände voll zu tun, um unser Versprechen einer leistungsstarken Schadenregulierung zuverlässig zu erfüllen.“

Insgesamt musste die VGH 852 Mio. Euro für Schäden aufbringen (Vj: 776 Mio., +9,8 %). Während die bilanzielle Schadenquote der Brandkasse 2014 bei 68,8 Prozent lag, stieg sie 2015 auf 70,9 Prozent. Auch weil es gelungen ist, die Kostenquote durch konsequente Sparmaßnahmen weiter auf 25,3 Prozent zu reduzieren (Vj: 25,6 %), bleibt die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) mit 96,2 Prozent (Vj: 94,4 %) etwa im Marktschnitt.

Die Kapitalanlagen der Brandkasse wachsen von 2.854 Mio. Euro (2014) auf 2.887 Mio. Euro. Der im aktuellen Marktumfeld gute Ertrag daraus liegt bei 103 Mio. Euro (Vj: 81 Mio.). Unterstützt durch die Hebung stiller Reserven, erzielt die Brandkasse eine Nettoverzinsung von 3,6 Prozent (Vj: 2,9 %). Der Bruttoüberschuss beträgt wie im Vorjahr 31 Mio. Euro. Dieser Betrag wird benötigt, um die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) in Höhe von 14 Mio. Euro zu dotieren und den notwendigen Steueraufwand zu finanzieren. Die Träger der Brandkasse verzichten 2015 auf eine Eigenkapitaldotierung.

Erstmals nahm die Brandkasse 2015 am Finanzstärkerating der Assekurata teil. Sie erhielt das Gütesiegel „A+“ (starke Bonität mit stabilem Ausblick). Kasten: „Damit attestiert uns diese renommierte deutsche Ratingagentur eine gute Finanzstärke, vorsichtige Ausrichtung der Kapitalanlagen, angemessene Risikotragfähigkeit und sehr hohe Sicherheitsmittel.“

Provinzial Leben: Neue Produktlinie stabilisiert Geschäft

Die Beitragseinnahmen der Provinzial Leben inklusive Provinzial Pensionskasse erreichen 2015 mit 741 Mio. Euro annähernd den Vorjahreswert (754 Mio., 1,7 %). Der leichte Rückgang entspricht dem Markttrend. Das Geschäft gegen Einmalbeitrag stabilisiert sich mit 226 Mio. Euro nahezu auf Vorjahresniveau (232 Mio., 2,6 %). Die Einnahmen der Provinzial Leben aus laufenden Beiträgen liegen mit 488 Mio. Euro leicht unter Vorjahresniveau (495 Mio., 1,4 %).

Jörg Sinner, Vorstand für Personenversicherungen und Kapitalanlagemanagement: „Das Vertrauen in die Altersvorsorge der VGH ist ungebrochen. Eine wichtige Rolle spielt dabei unsere neue Produktlinie. Sie hat unsere Erwartungen in den letzten zwei Jahren übertroffen.“ Mit der 2014 eingeführten „VGH Rente“ hat sich die Provinzial im Bereich der Rentenversicherung neu positioniert. Das Drei-Säulen-Konzept bietet den Kunden ein Angebot mit variablem Chancenprofil und lässt sie unmittelbar von der Kapitalanlagekompetenz des Unternehmens profitieren.

Für Versicherungsfälle, Ablaufleistungen und Rückkäufe mit Überschussanteilen zahlte die Provinzial Leben ihren Kunden 709 Mio. Euro aus (Vj: 795 Mio., -10,8 %). Sinner: „Diese Leistungen waren ganz überwiegend Erlebensfallleistungen. Die große Mehrheit unserer Versicherten hält ihre Altersvorsorgeverträge bis zum Ende der Laufzeit. Damit sprechen wir vor allem von regulären Ablaufleistungen mit guten Renditen, die auch inflationsbereinigt attraktiv sind.“

Dass die Zahl der Vertragskündigungen dauerhaft niedrig liegt, wertet Sinner als Indiz für hohe Kundenzufriedenheit: „Unsere beitragsbezogene Stornoquote zeigt sich auf niedrigem Niveau nochmals rückläufig. Sie sinkt von 3,8 auf 3,4 Prozent und bleibt damit weiterhin unterhalb des Marktdurchschnitts von knapp fünf Prozent.“

Die Kapitalanlage der Provinzial Leben wächst von 7.804 Mio. Euro auf 8.043 Mio. Euro. Das Anlageergebnis liegt mit rund 384 Mio. Euro über dem Vorjahr (344 Mio.). Beeinflusst durch die Realisierung stiller Reserven, steigt die Nettoverzinsung von 4,5 auf 4,8 Prozent. Sie liegt damit unverändert deutlich über den durchschnittlichen Garantieverpflichtungen der Provinzial von derzeit 2,65 Prozent. Zudem kann eine weitere Dotierung der Zinszusatzreserve in Höhe von 114 Mio. Euro erfolgen. Jörg Sinner: „Diese zusätzliche, gesetzlich geforderte Rückstellung in Gesamthöhe von nunmehr 341 Mio. Euro stärkt die Bilanz der Provinzial und dient der Absicherung unserer Zinsverpflichtungen gegenüber den Versicherungskunden bei einem anhaltenden Niedrigzins auf dem Kapitalmarkt.“

Der Rohüberschuss – nach Direktgutschrift, erhöht um die Zuführung zur Zinszusatzreserve – beträgt 208 Mio. Euro (Vj: 169 Mio.). Die Zuführung zur RfB liegt mit 88 Mio. Euro trotz der Belastung durch die Zinszusatzreserve über dem Wert des Geschäftsjahres 2014 (71 Mio.). Die Provinzial weist einen Bilanzgewinn von 6,5 Mio. Euro aus.

Mit der Überschussdeklaration für das Jahr 2016 erzielt die Provinzial wieder eine attraktive durchschnittliche Gesamtverzinsung einschließlich Schlussüberschussbeteiligung von 4,5 Prozent. Die darin enthaltene laufende Verzinsung der Vertragsguthaben bleibt bei 3,0 Prozent. Jörg Sinner: „Als einer von wenigen Versicherern halten wir die laufende Überschussbeteiligung 2016 stabil. Diesen Beschluss haben wir frühzeitig auf Basis der stabilen und zukunftssicheren Aufstellung der Provinzial Leben gefasst. Im Markt verzeichnen wir überwiegend eine Reduzierung des Überschussniveaus. Damit verbessert sich unsere Position im Wettbewerb.“

Auch die Ratingagentur Assekurata hat ihre positive Beurteilung der Provinzial Leben bestätigt. Sie erteilt ihr, wie schon 2014, für 2015 erneut das Gütesiegel „A+“ und bescheinigt dem Lebensversicherer der VGH eine starke Bonität mit stabilem Ausblick.

Provinzial Kranken: Beitrags- und Bestandsplus – auch in der Vollversicherung

Die Provinzial Krankenversicherung Hannover AG schließt das Jahr 2015 erneut mit einem guten Geschäftsergebnis ab. Ihre Beitragseinnahmen steigen um 4,0 Prozent auf 65,3 Mio. Euro (Vj: 62,8 Mio. Euro). Dieses Plus liegt über den Erwartungen und dem prognostizierten Marktniveau (GDV: +1,5 %). Es verteilt sich sowohl auf die Zusatzversicherungen (+5,0 %) als auch auf die Vollversicherung (+3,3 %).

Auch die Zahl versicherter Personen wächst weiter stabil. Zum Bilanzstichtag waren mit 161.253 Personen gut 4.700 Menschen mehr bei der Provinzial Kranken versichert als Ende 2014 (+3,0 %). Maßgeblich für den Ausbau des Kundenbestands ist eine ganzjährig konstante Zunahme im Bereich der Zusatzversicherungen. In besonderem Maße wird die Pflegezusatzversicherung nachgefragt. Der Vorstand sieht darin einen Beleg für den Trend zu privater Vorsorge, um den Leistungsumfang der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung aufzustocken. Auch im Bestand der Vollversicherten verzeichnet der Krankenversicherer der VGH – entgegen dem Markttrend – mit 14.485 Personen ein leichtes Plus (0,4 %).

Die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle liegen 2015 bei 26,9 Mio. Euro (Vj: 26,2 Mio.). Der Anstieg um 2,7 Prozent liegt unter dem Bestandswachstum nach Monatssollbeiträgen (+4,1 %). Bei einem Kapitalanlagebestand von 304 Mio. Euro (Vj: 270 Mio.) erreicht das Kapitalanlageergebnis 9,9 Mio. Euro (Vj: 9,4 Mio.). In der anhaltenden Niedrigzinsphase errechnet sich daraus eine Nettoverzinsung von 3,4 Prozent (Vj: 3,7 %). Die Provinzial Kranken erzielt wie im Vorjahr einen Überschuss von 12,5 Mio. Euro vor Steuern und erfolgsabhängiger Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB). Davon kommt, wie in den Vorjahren, ein Großteil den Versicherten zugute: 10,3 Mio. Euro führt die Provinzial Kranken der RfB zu. Das Eigenkapital wird mit 1,3 Mio. Euro gestärkt.

Als erfreulich bezeichnete der Vorstand Unternehmensratings, die auch 2015 die starke Wettbewerbsposition der Provinzial Kranken unterstrichen. So führt der map-report das Unternehmen erneut mit der Bestwertung „hervorragend“ („mmm-Rating“) in der bundesweiten Spitzengruppe der privaten Krankenversicherer. Auch im Bilanzrating von Morgen & Morgen erzielt die Provinzial Kranken mit fünf von fünf Sternen zum wiederholten Mal ein „ausgezeichnetes“ Gesamtergebnis.

Gesamte Beitragseinnahmen der Versicherungsgruppe

Die gesamten Beitragseinnahmen der Landschaftlichen Brandkasse Hannover, der Provinzial Lebensversicherung Hannover, der Provinzial Krankenversicherung Hannover AG und der Provinzial Pensionskasse Hannover AG liegen über den guten Ergebnissen von 2014. Sie steigen um 1,3 Prozent auf 1.979 Mio. Euro (Vj: 1.954 Mio. Euro).

Ausblick: Für Herausforderungen gut gerüstet

Für anstehende Herausforderungen sieht der Vorstand die VGH gut gerüstet. Hermann Kasten: „Über 265 Jahre hinweg hat sich unser Haus auf veränderte Bedingungen erfolgreich eingestellt. Entscheidend aber ist, dass die Basis stimmt.“ Das öffentlich-rechtliche Geschäftsmodell der VGH ruht auf einem Fundament aus Regionalität und Dezentralität, mit aktuell elf Regionaldirektionen, rund 500 Vertretungen und etwa 1.000 Geschäftsstellen der Sparkassen zur Betreuung von 1,8 Millionen Kunden. Zu den tragenden Säulen zählt der Vorstand die flächendeckende Präsenz im Geschäftsgebiet, hohe Produktqualität, marktgerechte Preise und eine verlässliche Schadenregulierung – aber auch Fairness gegenüber den Kunden, Gemeinwohlorientierung und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung als Arbeitgeber und Sponsor. Als weitere Wettbewerbsvorteile nannte Kasten die hohe Marktdurchdringung der VGH sowie die Kompetenz hoch qualifizierter und motivierter Mitarbeiter und Vertriebspartner.

Eine zentrale Herausforderung der kommenden Jahre bleibt die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Gleichzeitig müssen die Unternehmen der VGH – wie die gesamte Branche – erheblichen Aufwand bewältigen, den eine Fülle europäischer und nationaler Regulierungen verursacht. Hermann Kasten: „Aktives Kostenmanagement ist auch deshalb unerlässlich, weil bedeutende Investitionen anstehen, die für unsere Zukunftsfähigkeit und die Servicequalität von hoher Wichtigkeit sind. Das betrifft vor allem die Digitalisierung.“ Geschäftsprozesse und Kommunikationskanäle müssten modernisiert, Versicherungsprodukte an Veränderungen im Markt angepasst oder neu eingeführt werden.

Für 2016 nimmt die Brandkasse bei den Schaden- und Unfallversicherungen moderate Beitragssteigerungen an. Wie in den Vorjahren steht in sämtlichen Sparten die Ertragsorientierung im Fokus. Ein vertrieblicher Schwerpunkt wird auf den Privatkundensparten liegen.

Den Markterwartungen entsprechend geht die Provinzial Lebensversicherung 2016 von einem leichten Absinken der laufenden Beiträge aus, während die aktuelle Zinssituation die Nachfrage nach Einmalbeitragsprodukten weiterhin stützt. Insbesondere die Kernbereiche „private und betriebliche Altersversorgung“ und „Absicherung biometrischer Risiken“ bieten noch deutliche Potenziale, die Marktabdeckung zu verbessern.

Die Provinzial Krankenversicherung rechnet für 2016 mit einem Beitragswachstum mindestens auf Vorjahresniveau. Vertriebspotenziale sieht der Vorstand vor allem im Geschäft mit Zusatzversicherungen. Die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze und der Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung dürfte auch der privaten Krankenvollversicherung Auftrieb geben.

VGH Geschäftsbericht 2015 – Zahlen auf einen Blick

Den vollständigen VGH Geschäftsbericht 2015 finden Sie hier.

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