Schadenforscher: Brände durch Lithium-Akkus nehmen zu

Was in der Brandursachenermittlung noch vor einigen Jahren kein Thema war, gilt mittlerweile als typische Schadenursache. „Mit der Anzahl der Lithium-Akkus steigt auch die Zahl der Brände. Das ist kein Grund, diese Bauart zu verteufeln, doch das Risiko sollte uns allen bewusst sein“, sagt Dr. Hans-Hermann Drews, Geschäftsführer des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS).

Neu auftretende technische Gefahren werden in der Regel erst mit großer Zeitverzögerung identifiziert und statistisch erfasst. Doch Auswertungen der Untersuchungsdaten des IFS zeigen inzwischen ein deutlich steigendes Brandrisiko durch Lithium-Akkus. Betroffen sind vor allem Geräte wie Notebooks und Mobiltelefone sowie der Modellbau. Einen signifikanten Anteil haben außerdem Elektrofahrräder und andere akkubetriebene Fahrzeuge.

Gefährliche Kettenreaktion in Lithium-Akkus

„Die Technologie der Lithium-Akkus ist beim Notebook im Grunde die gleiche wie beim Elektrofahrrad, nur dass der Computerakku vielleicht aus vier, der Fahrradakku aus 30 oder 40 Akkuzellen besteht“, sagt Drews. Beim Elektroauto sind es hunderte bis einige tausend Zellen. Wenn in einer Zelle ein Defekt auftritt, steigt ihre Temperatur so weit an, dass eine Kettenreaktion ausgelöst wird und viele Zellen nacheinander thermisch „durchgehen“. Dabei wird die gespeicherte Energie augenblicklich freigesetzt: Es kommt zum Funkenschlag und zur Flammenbildung.

Zahlreiche Produktrückrufe

Lithium-Akkus werden heute in zahllosen Geräten eingesetzt, denn sie sind klein, leicht und effizient. Dafür, dass keine Brände auftreten, ist zunächst einmal der Hersteller in der Pflicht, der nur ein sicheres Produkt auf den Markt bringen darf und dabei auch voraussehbare Fehlbedienungen berücksichtigen muss. Das gelingt im Zusammenhang mit Lithium-Akkus nicht immer, wie zahlreiche Produktrückrufe belegen.

Ladephase bei Lithium-Akkus besonders kritisch

Lithium-Akkus - IFS - VGH - Brandverhütung
Wenn der Akku eines Elektrorades beim Laden thermisch „durchgeht“, kann das in Sekundenschnelle einen gefährlichen Brand auslösen. (Foto: IFS)

Davon abgesehen sind Lithium-Akkus allerdings generell empfindlich, was Handhabungsfehler angeht. Um Schäden zu vermeiden, sollten sie ausschließlich mit dem vom Hersteller empfohlenen Ladegerät und -kabel geladen werden. Auch extremen Temperaturen und Nässe sollte man sie nicht aussetzen. „Vergessen Sie Ihren Fahrradakku also nicht über den Winter in der kalten Garage“, mahnt der Schadenforscher. Die große Mehrzahl der Akkubrände entsteht in der Ladephase. Darum rät das IFS, Lithium-Akkus in einem Raum mit Rauchmelder und nicht in der Nähe brennbarer Gegenstände zu laden. Ist ein solcher Akku sichtbar beschädigt oder hat sich gar das Gehäuse verformt, darf er auf keinen Fall mehr benutzt werden.

Welche Versicherung zahlt?

Damit bei einem Feuer nicht auch noch finanzielle Verluste entstehen, sollte man sich mit den passenden Versicherungen gegen die Folgen von Brandschäden schützen. Eine Hausratversicherung ist grundsätzlich sinnvoll. Sie greift beispielsweise, wenn ein Feuer außer dem Smartphone auch Einrichtungsgegenstände zerstört hat. Über die Wohngebäudeversicherung sichern Hausbesitzer Schäden am Haus selbst ab, an Garage, Fahrradschuppen und Gartenhaus. Wichtig ist grundsätzlich, nach einem Schadenfall sofort den Versicherer zu benachrichtigen. Im Idealfall übermitteln Geschädigte ihrem Versicherer begleitend Fotos vom Schadenfall und eine möglichst vollständige Liste der beschädigten Gegenstände, damit er sich einen ersten Überblick verschaffen kann.

 

Über das IFS:

Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e. V. wurde 1976 gegründet. Es geht zurück auf das Brandverhütungslabor, das 1884 von der Schleswig-Holsteinischen Landesbrandkasse ins Leben gerufen wurde. Heute hat der Verein mit Hauptsitz in Kiel bundesweit neun Standorte. Ein Team aus Naturwissenschaftlern und Ingenieuren untersucht im Schwerpunkt Brand- und Brandfolgeschäden, Leitungswasser- und Feuchteschäden. Die Erkenntnisse aus den Ursachenermittlungen dienen der allgemeinen Schadenverhütung und werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Über die VGH Versicherungen:

Die VGH ist der größte öffentliche Versicherer in Niedersachsen – mit einem lückenlosen Angebot an Schaden- und Personenversicherungen. Rund 4.600 Mitarbeiter sind direkt oder indirekt für den regionalen Marktführer tätig, darunter etwa 500 selbstständige Versicherungskaufleute und ihre Mitarbeiter. Gemeinsam mit dem zweiten Vertriebspartner, den Sparkassen, bilden sie ein flächendeckendes Servicenetz zur Betreuung von rund 1,9 Millionen Kunden. Nicht nur als Versicherer und Arbeitgeber, auch als Sponsor zahlreicher Projekte und Programme im sportlichen, kulturellen und sozialen Bereich engagiert sich die VGH traditionell für die Menschen in ihrem Geschäftsgebiet.

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