Bilanz 2016 – VGH: Starke Etappe im „Langstreckenrennen“

  • Landschaftliche Brandkasse entwickelt sich nachhaltig und ertragsorientiert / Weniger Schäden in sturmarmem Jahr

  • Provinzial Leben mit Beitragsplus und mehr Neugeschäft

  • Krankenversicherungsgruppe weiterhin im Aufwind

Als „starke Etappe im Langstreckenrennen“ wertet der Vorstand der VGH Versicherungen die Jahresabschlüsse 2016. In einer seit Jahren branchenweit schwierigen Situation seien die Unternehmen des größten öffentlichen Versicherers in Niedersachsen solide gewachsen. Dieses Fazit zog Vorstandschef Hermann Kasten auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover. „Über alle Hauptsparten und Kundengruppen hinweg können wir die Beitragseinnahmen steigern. Unsere Vertriebspartner, die VGH-Vertreter und Sparkassen, überzeugen durchweg mit guten Neugeschäftsabschlüssen und kundennaher Betreuung. Niedrige Stornoquoten stabilisieren die gute Beitragsentwicklung.“

Hermann Kasten
Hermann Kasten (Alle Fotos: Patrice Kunte)

Dank eines sturm- und frostarmen Jahres in Niedersachsen sinkt der Schadenaufwand in der Bilanz 2016 deutlich. Darüber hinaus kann die VGH im anhaltenden Niedrigzinsumfeld planmäßige Kapitalmarktergebnisse erzielen. Die bilanzielle Kostenquote verbessert sich das vierte Jahr in Folge. Der erfolgreich eingeschlagene Weg zur Verbesserung der Ertragskraft wird konsequent fortgesetzt. Dazu gehören gezielte Sanierungsmaßnahmen, also die Neuordnung von Vertragsbeziehungen in defizitären Geschäftsfeldern. „Dies ist und bleibt unerlässlich angesichts der großen Herausforderungen, vor denen wir stehen“, betonte Kasten.

Gut vorangekommen ist die VGH bei der Bewältigung der „Regulatorik“: steigende Anforderungen des Gesetzgebers an Risikomanagement, Kapitalausstattung, Datenschutz und Berichtspflichten. Mit einer frühzeitigen Ausrichtung der Kapitalanlagestrategie, die das breit angelegte Versicherungsportfolio in den jeweiligen Unternehmen der Versicherungsgruppe optimal unterstützt, hat sich die VGH fit gemacht für Solvency II. Bei der Umsetzung dieser seit Anfang 2016 geltenden Reform des europäischen Versicherungsaufsichtsrechts nimmt die VGH keine Übergangsregelungen in Anspruch und weist komfortable Bedeckungsquoten aus. Diese liegen sowohl für die Brandkasse als auch für die Provinzial Lebensversicherung bei deutlich über 200 Prozent.

Landschaftliche Brandkasse entwickelt sich nachhaltig und ertragsorientiert / Weniger Schäden in sturmarmem Jahr

Die Beitragseinnahmen der für die Schaden- und Unfallversicherung zuständigen Landschaftlichen Brandkasse Hannover steigen 2016 im selbst abgeschlossenen Geschäft um 2,5 Prozent auf 1,145 Mrd. Euro (Vj: 1,118 Mrd.). Wesentlichen Anteil an der soliden Entwicklung der Kompositsparten haben die Beitragseinnahmen in den Sachversicherungen (+3,4%; insbesondere Wohngebäude: +5,3%). Als erfreulich wertete Thomas Vorholt, Vorstand für Schadenversicherungen, darüber hinaus den Zuwachs in weiteren Kernsparten wie der allgemeinen Haftpflicht (+2,6%), Rechtsschutz (+7,8%) und allgemeine Unfall (+3,2%). Das Kfz-Geschäft trägt trotz Sanierungsaktivitäten mit 0,8 Prozent zum Beitragswachstum bei.

Thomas Vorholt
Thomas Vorholt

Der Schadenaufwand für das Geschäftsjahr 2016 liegt mit 782 Mio. Euro 70 Mio. Euro und damit 8,2 Prozent unter dem Vorjahreswert (852 Mio.). Die Zahl der Schäden sank sogar um 20,6 Prozent auf rund 295.000. Thomas Vorholt: „Ursächlich für diese positive Entwicklung ist eine sehr geringe Belastung durch Sturmereignisse. Auch der Schadenaufwand in den Sparten Kraftfahrt und Wohngebäude ist erstmalig seit langem stark zurückgegangen.“ Höher als im ohnehin großschadenträchtigen Jahr 2015 liegen dagegen die Kosten für Brände gewerblicher und industrieller Gebäude. Als Beispiele nannte Vorholt den Totalschaden am spanischen Pavillon auf dem ehemaligen EXPO-Gelände, das millionenschwere Feuer in einer Papierfabrik oder brennende Schulen und Sporthallen in Celle, Sehnde und Ottersberg.

Während im Jahr 2015 die bilanzielle Schadenquote der Brandkasse 70,9 Prozent betrug, liegt sie 2016 mit 65,0 Prozent deutlich darunter. Durch konsequente Sparmaßnahmen bei Sach- und Personalkosten ist es zudem gelungen, die bilanzielle Verwaltungskostenquote das vierte Jahr in Folge zu reduzieren, auf jetzt 25,0 Prozent (Vj: 25,3%). Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) verbessert sich auf 90,1 Prozent (Vj: 96,2%).

Die Kapitalanlagen der Brandkasse wachsen von 2,89 Mrd. Euro (2015) auf 3,02 Mrd. Euro. Der Ertrag daraus liegt bei 84 Mio. Euro (Vj: 103 Mio.). Damit erzielt die Brandkasse eine Nettoverzinsung von 2,9 Prozent (Vj: 3,6%). Der gesamte Bruttoüberschuss steigt von 30,6 auf 36,6 Mio. Euro. Dieser Betrag wird benötigt, um die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) zu dotieren und den notwendigen Steueraufwand zu finanzieren. Aufgrund hoher Sonderbelastungen, die sich aus der anhaltenden Niedrigzinsphase ergeben und den Bruttoüberschuss belastet haben, verzichten die Träger der Brandkasse auch 2016 auf eine Zuführung zum Eigenkapital.

2016 nahm die Brandkasse erneut am Finanzstärkerating der Assekurata teil. Das Gütesiegel „A+“ – starke Bonität mit stabilem Ausblick – attestiert der Brandkasse eine nach wie vor gute Finanzstärke, nachhaltige Ausrichtung der Kapitalanlagen, angemessene Risikotragfähigkeit und hohe Sicherheitsmittel.

Provinzial Leben mit Beitragsplus und mehr Neugeschäft

„Überdurchschnittlichen Erfolg unter schwierigen Rahmenbedingungen“ bescheinigt der Vorstand auch der Provinzial Lebensversicherung Hannover. Während marktweit ein Rückgang der Beitragseinnahmen verzeichnet wird, übertrifft das Beitragsvolumen der Provinzial Leben inklusive Provinzial Pensionskasse zum Jahresende mit 775 Mio. Euro sowohl die Planwerte als auch die Vorjahressumme (741 Mio. Euro, +4,6%; ohne Pensionskasse +4,9%). Das Geschäft gegen Einmalbeitrag – zu mehr als 90 Prozent in Form von Rentenversicherungen – kann die Provinzial Leben signifikant steigern, um 18,5 Prozent auf 268 Mio. Euro (Vj: 226 Mio.). Die Einnahmen der Provinzial Leben aus laufenden Beiträgen bewegen sich mit 480 Mio. Euro etwas unter Vorjahresniveau (488 Mio., -1,5%).

Jörg Sinner
Jörg Sinner

Für Versicherungsfälle, Ablaufleistungen und Rückkäufe mit Überschussanteilen zahlt die Provinzial Leben ihren Kunden 725 Mio. Euro aus (Vj: 709 Mio.). Jörg Sinner, Vorstand für Personenversicherungen und Kapitalanlagemanagement: „Dabei handelt es sich fast ausschließlich um reguläre Ablaufleistungen von Verträgen, die bis zum Ende gehalten werden.“

Bei einem guten Neugeschäft, das 2016 um 11,2 Prozent auf 28,8 Mio. Euro statistischen Jahresbeitrag wächst, bleibt die Zahl der Vertragskündigungen im selben Jahr auf niedrigem Niveau. Beides bestätigt das anhaltende Kundenvertrauen auch und gerade in einem schwierigen Marktumfeld. Sinner: „Es spricht für Produktqualität, wenn nicht nur die Nachfrage steigt, sondern auch unsere Stornoquote mit beitragsbezogen 3,4 Prozent erneut deutlich besser ausfällt als der Marktdurchschnitt.“

Die Kapitalanlage der Provinzial Leben wächst von 8,04 Mrd. Euro auf 8,41 Mrd. Euro. Das Anlageergebnis liegt mit 415 Mio. Euro über Plan (Vj: 384 Mio.). Die Nettoverzinsung verbessert sich von 4,8 auf 5,0 Prozent. Jörg Sinner: „Die Anforderungen durch Zinszusatzreserve und Solvency II haben wir gut gemeistert.“ Auch durch Realisierung von Reserven erfolgt 2016 eine weitere Dotierung der Zinszusatzreserve in Höhe von 136 Mio. Euro. Diese Rückstellung in Gesamthöhe von nunmehr 477 Mio. Euro stärkt die Bilanz der Provinzial und stellt langfristig ihre Garantieverpflichtungen gegenüber den Kunden sicher.

Der Rohüberschuss – nach Direktgutschrift, erhöht um die Zuführung zur Zinszusatzreserve – beläuft sich auf 257 Mio. Euro (Vj: 208 Mio.). Die Zuführung zur RfB liegt trotz der erheblichen Belastung durch die Zinszusatzreserve mit 101 Mio. Euro spürbar über dem Niveau des Vorjahres (88 Mio.).

Mit der Überschussdeklaration für das Jahr 2017 erzielt die Provinzial wieder eine attraktive durchschnittliche Gesamtverzinsung von 4,0 Prozent. Die darin enthaltene laufende Überschussbeteiligung wird auf 2,5 Prozent angepasst.

Die Ratingagentur Assekurata hat ihre positive Beurteilung der Provinzial Leben auch 2016 bestätigt. Sie erteilt ihr, wie in den vergangenen Jahren, erneut das Gütesiegel „A+“: starke Bonität mit stabilem Ausblick.

Krankenversicherungsgruppe weiterhin im Aufwind

Die ALTE OLDENBURGER Krankenversicherungsgruppe, die mehrheitlich zu den VGH Versicherungen gehört, besteht aus den beiden operativen Unternehmen ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG und Provinzial Krankenversicherung Hannover AG. Beide Unternehmen konnten im Geschäftsjahr ihre Beitragseinnahmen und ihren Kundenbestand weiter ausbauen. „Wir freuen uns insbesondere darüber, dass wir im Vollversicherungsbereich entgegen dem Markttrend mit beiden Unternehmen weiter wachsen“, betonte Manfred Schnieders, im Vorstand der VGH verantwortlich für die Krankenversicherungsgruppe.

Manfred Schnieders
Manfred Schnieders

Das Beitragsvolumen innerhalb der Krankenversicherungsgruppe steigt 2016 um 3,8 Prozent auf 290 Mio. Euro (Vj: 279 Mio. Euro). Zum Jahresende sind 326.995 Personen bei der Krankenversicherungsgruppe versichert, 3.440 Menschen mehr als Ende 2015. Die darin enthaltene Zahl der vollversicherten Personen wächst leicht auf 62.916 (Vj: 62.457).

Die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle haben sich im Berichtsjahr erwartungsgemäß weiter erhöht und liegen zum Jahresende bei 154 Mio. Euro (Vj: 148 Mio. Euro).

Positiv wertet der Vorstand in der Bilanz 2016 auch die erzielten Kapitalanlageergebnisse. Mit einer Nettoverzinsung von mehr als 3,0 Prozent weisen beide Unternehmen eine solide Rendite im weiterhin bestehenden Niedrigzinsumfeld aus. Manfred Schnieders: „Die gezielte Diversifikation des Anlageportfolios, aber auch die überdurchschnittlich lange Duration der Kapitalanlagen im Bestand bieten unseren Unternehmen Sicherheit in der anhaltenden Niedrigzinsphase.“

Unterm Strich erreicht die Krankenversicherungsgruppe im Geschäftsjahr 2016 einen Rohüberschuss von 49,0 Mio. Euro (Vj: 45,4 Mio. Euro). Er kommt überwiegend den Versicherten durch eine Dotierung der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zugute, ermöglicht aber auch eine Stärkung des Eigenkapitals.

Neben diesen Bilanzkennzahlen sprechen auch die im Jahr 2016 erzielten Ergebnisse bei unabhängigen Ratings und Analysen für die ausgezeichnete Unternehmensqualität der Krankenversicherer. So belegt beispielsweise die Provinzial Krankenversicherung beim aktuellen Unternehmensvergleich des Finanz- und Wirtschaftsdienstes „map-report“ den Spitzenplatz unter allen bewerteten Unternehmen. Die ALTE OLDENBURGER erzielt unter anderem die bestmögliche Bewertung „A++ = Exzellent“ im aktuellen Rating Unternehmensqualität der unabhängigen Ratingagentur Assekurata – und das schon zum 16. Mal in Folge.

Bilanz 2016 – Beitragseinnahmen der Versicherungsgruppe

Die gesamten Beitragseinnahmen der Landschaftlichen Brandkasse Hannover (inkl. aktiver Rückversicherung), der Provinzial Lebensversicherung Hannover (inkl. Provinzial Pensionskasse Hannover AG) und der Krankenversicherungsgruppe der VGH (Provinzial Krankenversicherung Hannover AG / ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG) liegen erneut über den guten Ergebnissen von 2015. Sie steigen 2016 um 3,5 Prozent auf 2,269 Mrd. Euro (Vj: 2,192 Mrd. Euro).

Ausblick: Erfolgreiches Geschäftsmodell beharrlich entwickeln

Anhaltendes Zinstief, hoher Investitionsbedarf – vor allem in die Digitalisierung – und weiterer Aufwand zur Umsetzung regulatorischer Anforderungen bilden weiterhin die zentralen Herausforderungen. Hermann Kasten: „Wir antworten darauf, indem wir unser erfolgreiches Geschäftsmodell beharrlich entwickeln, die Ergebnis- und Kostensituation weiter verbessern und das Tempo erforderlicher Veränderungen erhöhen.“

Für die Schaden- und Unfallversicherungen erwartet die Landschaftliche Brandkasse im Jahr 2017 ein moderates Beitragsplus etwa auf Vorjahreshöhe, bedingt durch die Fortführung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen.

Im unverändert ungünstigen Niedrigzinsumfeld geht die Provinzial Leben 2017 von leicht sinkenden laufenden Beitragseinnahmen aus. Deutliche Potenziale zur Verbesserung der Marktabdeckung bieten insbesondere die private und betriebliche Altersversorgung sowie die Absicherung biometrischer Risiken.

Die Krankenversicherungsgruppe der VGH blickt nach erfreulichen Jahresabschlusszahlen auch auf das laufende Geschäftsjahr optimistisch. Mit neuen Pflegeversicherungstarifen wird sie sich den aktuellen Marktanforderungen stellen, um im Wachstumsmarkt Pflegeversicherung weiterhin erfolgreich zu sein.

Für die anstehenden Herausforderungen sieht der Vorstand die VGH robust aufgestellt. Wesentliche Stärken sind leistungsstarke Produkte, marktgerechte Preise und das flächendeckende Servicenetz der VGH mit zehn Regionaldirektionen, rund 500 Vertretungen und etwa 1.000 Sparkassen-Geschäftsstellen, die mehr als fünf Millionen Versicherungsverträge betreuen. Hermann Kasten: „Hinzu kommen 267 Jahre Erfahrung und eine intensive Marktdurchdringung mit hoch qualifizierten Mitarbeitern und Vertriebspartnern. Rechtsform und Trägerstruktur der VGH als öffentlicher, gemeinwohlorientierter und von Aktionärsinteressen unabhängiger Versicherer verschaffen uns im schwierigen Kapitalmarktumfeld Handlungsspielräume zugunsten unserer Kunden.“

Redaktionshinweise:

Bilanz 2016 – „Zahlen auf einen Blick“ stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.

Die Geschäftsberichte 2016 der Landschaftlichen Brandkasse Hannover, der Provinzial Lebensversicherung Hannover und der Provinzial Krankenversicherung Hannover AG finden Sie hier.

Den Geschäftsbericht 2016 der ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG finden Sie hier.

Portraitfotos der Vorstände in druckfähiger Auflösung können Sie hier herunterladen.

Bilanz 2016 – Im Gespräch mit VGH-Chef Hermann Kasten:

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