Emile Ducke gewinnt den VGH Fotopreis 2017

Reportage “Diagnosis” über einen Krankenhaus-Zug in Russland

VGH Fotopreis 2017 - Emile Ducke - Diagnosis
Emile Ducke (Foto: Tamina-Florentine Zuch)

Emile Ducke, der im neunten Semester Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover (HsH) studiert, hat mit seiner Reportage „Diagnosis“ den mit 10.000 Euro dotierten VGH Fotopreis 2017 gewonnen. Seine Arbeit handelt von einem Krankenhaus-Zug, der die medizinische Versorgung in den abgelegenen Orten Russlands sicherstellt.

Preisverleihung am 16. November in der VGH galerie

Die Preisverleihung mit Ausstellungseröffnung findet am Donnerstag, 16. November, um 18 Uhr in der VGH galerie, Schiffgraben 4 (Eingang Warmbüchenkamp), in 30159 Hannover statt. Bis zum 31. Januar 2018 werden die Fotos dort täglich von 11 bis 17 Uhr zu sehen sein.

Mit dem „Heiligen Lukas“ durch Sibirien

VGH Fotopreis 2017 - Emile Ducke - Diagnosis
Elena Semina aus Kuragino wartet auf den Beginn der EEG-Diagnostik.

Der 23-jährige Fotograf arbeitete fast ein ganzes Jahr an seiner Geschichte: Während seines Auslandsemesters im Frühjahr 2016 an der Journalistischen Fakultät der Staatlichen Universität Tomsk hat Emile Ducke recherchiert. Im November desselben Jahres fuhr er dann wieder nach Sibirien, um neun Tage lang mit dem Krankenhaus-Zug „Heiliger Lukas“ zu reisen. „Mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 endete Sibiriens wirtschaftliche Blütezeit, die medizinische Infrastruktur brach in Teilen zusammen. Heute fehlt es in abgelegenen Regionen an Fachärzten – die Mediziner vor Ort sind meist schlecht ausgerüstet und überlastet“, erklärt Emile Ducke.

Notversorgung, wo es kaum noch Hilfe gibt

VGH Fotopreis 2017 - Emile Ducke - Diagnosis
Die Ärztin Danilova Lyudmila Mikhailovna (links) und ihre Assistentin werten in dem kleinen Behandlungsabteil ihre Diagnosen aus. Sie sollen jeden Tag um die 37 Patienten behandeln.

Fünf Krankenhaus-Züge der staatlichen russischen Bahngesellschaft stellen eine Art Notversorgung sicher. Der Krankenhaus-Zug „Heiliger Lukas“ versorgt Orte in den sibirischen Regionen Krasnojarsk und Chakassien. Ausgestattet mit einem Labor für Bluttests, Sonographie, EEG, EKG und Röntgen-Apparaten behandeln 17 Ärzte und deren Assistenten rund 15.000 Patienten im Jahr. Die Behandlungen sind für die Patienten kostenlos, die Fachärzte erstellen Diagnosen und verschreiben Medikamente.

Kathedralen-Waggon inklusive

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Priester Igor läutet in dem Kathedralen-Waggon am Zugende zum Gottesdienst.

An der jeweiligen Station kommt der Klinik-Zug auf einer festgelegten Route einmal im Jahr vorbei. Namenspatron für den Klinik-Zug ist der Heilige Lukas, mit bürgerlichem Namen Walentin Felixowitsch Woino-Jassenezki: ein Priester und Arzt, der während des Zweiten Weltkriegs in der Region Krasnojarsk wirkte. Deshalb führt der Zug auch einen eigenen Kathedralen-Waggon am Zugende, einen Nachbau der alten Missionswagen, die vor der Oktoberrevolution durch Sibirien fuhren.

 

Eigener Bildstil mit hohem Wiedererkennungswert

VGH Fotopreis 2017 - Emile Ducke - Diagnosis
Patienten warten vor dem Registrierungs-Waggon am Beginn des Zuges auf Einlass. Im November 2016 reichten die Temperaturen bis unter -38 Grad Celsius.

„Emile Ducke ist es gelungen, für sein an sich schon interessantes Thema eine ganz eigene visuelle Umsetzung zu finden. Man kann dabei schon von einem eigenen Bildstil mit hohem Wiedererkennungswert sprechen, eine für einen so jungen Fotografen herausragende Leistung“, so die Meinung der Jurymitglieder, die auch in diesem Jahr von der Qualität der eingereichten Arbeiten für den VGH Fotopreis 2017 beeindruckt waren. Mitglieder der hochkarätigen Jury waren Lars Lindemann (Bildchef / Geo), Ellen Dietrich (Kulturjournalistin / DIE ZEIT), Andreas Trampe (Leiter Bildredaktion / stern), Henner Flohr (Bildredaktion / F.A.Z.), Barbara Stauss (Photo Director / mare), Thorsten Gerke (Photo Editor / Der Spiegel), Michael Thomas (Cheffotograf / HAZ) und Rolf Nobel (ehemaliger Fotografieprofessor / Hochschule Hannover).

Der VGH Fotopreis 2017 – mit 10.000 Euro wieder hoch dotiert

Der VGH Fotopreis wird seit dem Jahr 2001 vergeben. Mit einem Preisgeld von 10.000 Euro zählt er bundesweit zu den höchst dotierten Auszeichnungen im Bereich Fotografie. Zuerst als landesweiter Wettbewerb für Laien- und Profifotografen konzipiert, schreibt die VGH den Preis seit 2008 ausschließlich unter den Studierenden des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der HsH aus. Mit dieser exklusiven Förderung unterstützt die VGH eine Talentschmiede, die zu den führenden Ausbildungsstätten für Fotografen in Europa zählt.

Preisgeld fließt in neue Projekte

Emile Ducke: „Der VGH Fotopreis 2017 bedeutet mir sehr viel! Nicht nur wegen der Anerkennung meiner Arbeit durch die Jury, sondern auch, weil er mir die Möglichkeit gibt, lange und intensiv an meinen neuen Fotoessays zu arbeiten – wie jetzt im Oktober in Moskau, wo ich mich der Geschichte über die Altgläubigen widmen möchte.“

Duckes Arbeiten wurden unter anderem in Newsweek, L’Obs, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine und Neue Zürcher Zeitung veröffentlicht und ausgezeichnet mit dem Kolga Tbilisi Newcomer Award, dem Marty Forscher Student-Fellowship, Magnum Photography Awards Student Spotlight, dpa News Talent sowie bei PDN Photo Annual und als College Photographer of the Year.

Zur Ausstellung „Diagnosis“ erscheint ein Postkartenfächer.

 

Hier finden Sie eine exemplarische Motivauswahl der Reportage „Diagnosis“ sowie das Portraitfoto des Gewinners Emile Ducke. Per Klick können Sie die Einzelfotos im Originalformat und hoher Auflösung öffnen. Begleitende Bildtexte enthält diese pdf.

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