VGH Natur- und Umweltpreis 2019 verliehen: Drei Modellprojekte für Artenschutz und Vielfalt

Zum Auftakt der hannoverschen Messe „Pferd & Jagd“ am 5. Dezember haben die VGH Versicherungen zum fünften Mal den VGH Natur- und Umweltpreis vergeben. Drei zukunftsweisende Vorhaben überzeugten die Jury besonders. Preisgelder in Gesamthöhe von 7.500 Euro machen ihre Realisierung jetzt möglich.

Der VGH Natur- und Umweltpreis wurde 2015 in Kooperation mit der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) ins Leben gerufen. Seither hat er 13 Hegemaßnahmen zur Förderung der freilebenden Tierwelt mit insgesamt 37.500 Euro unterstützt. Gleichzeitig soll der Wettbewerb den Erfolg nachhaltiger Projekte sichtbar machen und dazu motivieren, vergleichbare Maßnahmen zu organisieren.

VGH Natur- und Umweltpreis: Zur Nachhaltigkeit anregen

Dr. Wolfram Klöber - VGH Natur- und Umweltpreis 2019
Dr. Wolfram Klöber (Foto: Iris Sobotta)

Erneut ermutigte die VGH 2019 alle Hegeringe und Jägerschaften der LJN, öffentlich zu zeigen, wie vielfältig Jägerinnen und Jäger sich – teils in Kooperation mit Landwirten, Gemeinden und lokalen Initiativen – für die Natur, die Umwelt und den Artenschutz engagieren. Dabei durften Projekte erst nach Einreichung des Bewerbungsantrags starten und sollen bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Dr. Wolfram Klöber, bei der VGH verantwortlich für den Natur- und Umweltpreis: „Mit diesem Wettbewerbskonzept möchten wir dazu anregen, viele neue Projekte in die Wege zu leiten und die Jagdreviere noch stärker in den Dienst der biologischen Vielfalt von Ökosystemen und Arten zu stellen. Langfristiges Denken und nachhaltiges Handeln sind auch heimatverbundenen Regionalversicherern wie der VGH wichtige Anliegen.“

Kleine, aber wirksame Projekte, so Klöber, könnten in Summe Artenschutz und Artenvielfalt effizient voranbringen: „Der VGH Natur- und Umweltpreis möchte Eigeninitiative gerade dann fördern, wenn das jeweilige Projekt ohne finanzielle Unterstützung nicht realisierbar wäre.“

1. Preis: Neuer Lebensraum in Sand, Moor und Heide

Heidelandschaft - VGH Natur- und Umweltpreis
Heide bietet wichtigen Schutz und Lebensraum auch für Kleinsttiere. Durch anfliegende Samen umliegender Bäume ist sie aber auch gefährdet. (Foto: Depositphotos)

Der Hegering Rhade in der Jägerschaft Zeven erhält für sein Projekt zur Förderung der Wiederansiedlung seltener und gefährdeter Arten am Rande des Huvenhoopsmoores den 1. Preis in Höhe von 3.000 Euro. Im Zentrum der Renaturierung steht die Neuanlage verschiedener Lebensräume und Brutstätten. Prämiert wurden dabei zwei Kernmaßnahmen:

  • Auf einer Projektfläche von 1,5 Hektar will die Jagdgemeinschaft Rhade im kommenden Winter eine zunehmend gefährdete Heidevegetation von vordringendem Birken- und Kieferngehölz säubern, um die Heide wieder mit ausreichend Licht und Wasser zu versorgen und so ihre Ausbreitung als wichtigen Lebensraum zu fördern.
  • In unmittelbarer Nähe wird auf einem Areal von 15 mal 20 Metern ein alter Torfstich von Birkenholz befreit, mit Hilfe eines Baggers vertieft, seine Abflüsse werden geschlossen. Durch die so begünstigte Wiedervernässung erhofft sich der Hegering eine Neuansiedlung typischer Moorpflanzen, insbesondere Moose, sowie die Rückkehr von Insekten und Kleinsttieren, die dieses Biotop suchen. Die entnommenen Birkenäste und -zweige sollen zudem genutzt werden, um eine vorhandene Totholzhecke zu erweitern. Diese „Benjeshecke“ bietet ebenfalls Schutz und Lebensraum für Nützlinge.

2. Preis: Mit Insektenhotels und Obstwiesen gegen Artenschwund

VGH Natur- und Umweltpreis 2019
„Insektenhotels“, kombiniert mit Wild- und Blühpflanzen, helfen im Kampf gegen das Insektensterben. (Foto: iStock/kruwt)

Der Hegering Haselünne in der Jägerschaft Meppen überzeugte mit seinem Plan, drei große Insektenhotels aufzustellen und Streuobstwiesen sowie Blühstreifen als Nahrungsquellen in direkter Umgebung anzulegen, um so dem alarmierenden Rückgang der Artenvielfalt bei Insekten entgegen zu wirken. Dafür sprach die Jury dem Hegering den 2. Preis über 2.500 Euro zu.

Beeindruckt zeigten sich die Juroren der LJN und VGH auch vom inklusiven Projektansatz. Über das primäre Ziel des Artenschutzes hinaus sollen die Maßnahmen durch Sichtbarkeit entlang stark frequentierter Rad- und Wanderwege auch breite Bevölkerungsschichten einbeziehen, ihnen den praktischen Naturschutz veranschaulichen und Menschen für das Thema Insektensterben sensibilisieren. Auch bei der Projektumsetzung bezieht der Hegering bewusst Partner ein. Die Stadt Haselünne hilft bei der Auswahl geeigneter Flächen. Das St.-Vitus-Werk, eine Behindertenwerkstatt aus Meppen, fertigt die Insektenhotels an. Bei der Befüllung mit verschiedensten Nistmaterialien für Wildbienen und -wespen, Marienkäfer und Schmetterlinge lässt sich der Hegering zudem tatkräftig vom „Club Behinderter und ihrer Freunde Emsland“ helfen.

3. Preis: Schutz und Hilfe für gefährdete Rebhühner

Rebhuhn
Restbestände erhalten und wieder aufbauen: Rebhühner sind auch bei uns massiv bedroht. (Foto: Depositphotos)

Der Hegering 3A in der Jägerschaft Land Hadeln/Cuxhaven widmet sich dem Erhalt und Aufbau des Bestandes an Wiesenvögeln, insbesondere der Leitart Rebhuhn. Der 3. Preis in Höhe von 2.000 Euro fließt in Maßnahmen, die das entsprechende Biotop in der Feldmark Stinstedt neu gestalten, aber auch den Schutz vor natürlichen Feinden wie Fuchs, Marder und Krähe erhöhen.

Europaweit ist der Bestand an Rebhühnern seit 1980 durch den Verlust naturnaher Landschaftselemente um 94 Prozent eingebrochen. Da das Züchten und Auswildern als sehr schwierig gilt, müssen Restbestände erhalten und aufgebaut werden. Diesem Ziel hat sich der Hegering 3A verschrieben. Gemeinsam mit der Jagdgemeinschaft Stinstedt und dem Naturschutzverein Nachhaltiger Norden e. V. haben die Initiatoren ein Konzept entwickelt, das als Modellprojekt für andere Gemarkungen im Landkreis Cuxhaven dienen soll.

Auf zwei geeigneten Flächen der Stinstedter Wiesen soll die Zahl der Brutpaare wieder kontinuierlich wachsen. Neben der Bejagung von Raubtieren geht es dem Hegering vor allem um die unterstützende Gestaltung des 700 Hektar großen Biotops. So wollen die Projektbeteiligten Wegeseitenräume erhalten, artenreiche Blühstreifen und -flächen schaffen, Hecken pflegen, Altgrasstreifen schützen sowie mehrjährige Wildpflanzen-Mischungen als Lebensraum und Nahrungsgrundlage für Insekten und Rebhühner anbauen. Bis die Maßnahmen greifen, werden in der kritischen Übergangsphase 100 Futterautomaten für Wiesenbrüter errichtet.

Die Gewinner des VGH Natur- und Umweltpreises

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