Vorläufige Jahreszahlen 2013

VGH trotzt hohen Schäden und niedrigen Zinsen

Umsatz wächst in allen Versicherungssparten

  • Landschaftliche Brandkasse: Kräftiges Beitragsplus von mehr als 5 Prozent
  • Provinzial Leben: Laufende Beiträge stabil, Einmalbeiträge im Aufwind
  • Provinzial Kranken baut Beitragsvolumen und Kundenbestand aus

„Die VGH Versicherungen entwickeln sich 2013 auf dem hohen Niveau des Vorjahres. In einem herausfordernden Marktumfeld haben wir als regionaler Marktführer erneut den Umsatz in allen wichtigen Sparten und Kundengruppen ausgebaut.“ Dieses positive Fazit zog Vorstandsvorsitzender Hermann Kasten bei der Vorstellung der vorläufigen Jahreszahlen in Hannover.

 

Positiv wertete Kasten auch die Kapitalanlageerträge: „Alle VGH-Unternehmen liegen über Plan. Das ist das Ergebnis unserer unternehmensspezifischen Anlagestrategie. Auch in der Niedrigzinsphase gelingt es der VGH mit mehr als 260 Jahren Expertise, Sicherheit, Rendite und Liquidität im Kundeninteresse nachhaltig auszutarieren.“

 

Allerdings müsse die VGH nach dem Rekordschadenjahr 2012 im laufenden Jahr einen noch höheren Schadenaufwand verkraften. Vor allem Unwetterereignisse forderten die Leistungsstärke der Brandkasse und belasten ihren Ertrag spürbar.
Brandkasse: Kräftiges Beitragsplus von mehr als 5 Prozent
Die Beitragseinnahmen der für die Schaden- und Unfallversicherung zuständigen Landschaftlichen Brandkasse Hannover bewegen sich deutlich über Vorjahresniveau und über Plan. Sie steigen zum Jahresende auf voraussichtlich 1.030 Mio. Euro (Vj: 980 Mio.). Das Plus von 5,1 Prozent liegt deutlich über der Branchenerwartung (GDV-Prognose 2013: +3,2 %). Haupttreiber in den Kompositsparten sind die überplanmäßige Beitragsentwicklung in den Sachversicherungen (+3,4 %) und dem Kfz-Geschäft (+9,2 %). Als erfreulich wertete Kasten auch den Zuwachs in allen anderen Sparten, dazu gehören insbesondere die Privatkundensparten Haftpflicht (+2,2 %), Rechtsschutz (+2,2 %) und Unfall (+2,4 %). Niedrige und weiter sinkende Stornoquoten stabilisierten die gute Beitragsentwicklung. Auch die Beschwerdezahlen entwickelten sich über alle Sparten hinweg positiv.

 

Was den Kunden 2013 in besonderem Maße zugute kam, belastet die Ausgabenseite der VGH signifikant. Hermann Kasten: „Der unternehmenshistorisch höchste Schadenaufwand vom Vorjahr wird 2013 bereits wieder übertroffen. Verantwortlich sind vor allem Wetterextreme. Allein der schwerste Hagelsturm in der Geschichte der Brandkasse vom 27. Juli und die Orkane ‚Christian‘ am 28. Oktober und ‚Xaver‘ am 5. Dezember treiben den Schadenaufwand um mehr als 100 Millionen Euro. In der Kfz-Versicherung kommt zum hagelbedingten Mehraufwand in den Kaskosparten noch eine Häufung von Haftpflichtfällen.“ Insgesamt muss die VGH aus heutiger Sicht bis Jahresende etwa 845 Mio. Euro für Schäden aufbringen (Vj: 738 Mio.). Während die Schadenquote der Brandkasse 2012 bei 71,7 Prozent lag, dürfte sie 2013 auf 77,5 Prozent steigen. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) erreicht dadurch 103,6 Prozent (Vj: 98,3 %, GDV-Prognose 2013: 103,0 %).

 

Die Kapitalanlagen der Brandkasse wachsen von 2,64 Mrd. Euro (2012) auf voraussichtlich 2,84 Mrd. Euro, der Ertrag daraus liegt bei 90 Mio. Euro (Vj: 96,8). Trotz anhaltend niedriger Kapitalmarktzinsen erzielt die Brandkasse eine solide Nettoverzinsung von 3,2 Prozent (Vj: 3,7 %). Aufgrund der sehr hohen Schadenaufwendungen reduziert sich der Überschuss vor Ertragsteuern und Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) auf geschätzt 24,0 Mio. Euro (36,4 Mio.).
Provinzial Leben: Laufende Beiträge stabil, Einmalbeiträge im Aufwind
Die Beitragseinnahmen der Provinzial Lebensversicherung Hannover werden inklusive Provinzial Pensionskasse Hannover AG mit 754 Mio. Euro deutlich über dem Vorjahreswert von 715 Mio. Euro und über Plan erwartet. Das Beitragsplus von 5,5 Prozent (GDV-Prognose: +6,7 %) resultiert vor allem aus gestiegenen Einmalbeiträgen. Sie erreichen etwa 220 Mio. Euro (Vj: 181 Mio.). „Dabei handelt es sich nicht um Kapitalisierungsprodukte, sondern um echtes Altersvorsorgegeschäft“, betonte Thomas Krüger, Vorstand für Personenversicherungen und Kapitalanlagen. „Vor allem sofort beginnende Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag werden zunehmend nachgefragt.“ Die Einnahmen aus laufenden Beiträgen kann die Provinzial mit geschätzt 508 Mio. Euro auf Vorjahresniveau stabilisieren (508,5 Mio.).

Für Versicherungsfälle, ausgezahlte Gewinnanteile und Rückkäufe wird die Provinzial Leben ihren Kunden voraussichtlich 750 Mio. Euro auszahlen (Vj: 697 Mio.). Krüger: „Bei der Provinzial Leben bedient die große Mehrheit der Versicherten ihre Altersvorsorgeverträge bis zum Ende der Laufzeit. Wir sprechen hier also ganz überwiegend von regulären Ablaufleistungen mit hohen Realwertrenditen.“

Dass die Zahl der Vertragskündigungen bei der VGH konstant niedrig liegt, wertete Krüger als Beleg für die hohe Produkt- und Servicequalität: „Unsere beitragsbezogene Stornoquote bewegt sich mit 3,9 Prozent dauerhaft deutlich unterhalb des Marktdurchschnitts von mehr als fünf Prozent. Auch die derzeit leider oft pauschale Kritik am Modell der Lebensversicherung im Niedrigzinsumfeld kann das Vertrauen unserer Kunden nicht erschüttern. Sie schätzen ihre Altersvorsorgeverträge zu Recht als krisenfest ein.“

Die Kapitalanlage der Provinzial Leben wächst von 7,41 Mrd. Euro (2012) auf 7,57 Mrd. Euro. Das Anlageergebnis wird trotz Niedrigzinsniveaus aus heutiger Sicht 340 Mio. Euro betragen (Vj: 329 Mio.). Die Nettoverzinsung beläuft sich wie im Vorjahr auf 4,5 Prozent. Sie liegt damit unverändert deutlich über den durchschnittlichen Garantieverpflichtungen der Provinzial von derzeit 3,25 Prozent. Die Dotierung der Zinszusatzreserve als bilanzielle Vorsorge für eine länger andauernde Niedrigzinsphase ist mit der ausgewiesenen Nettoverzinsung ebenfalls gesichert. Der Rohüberschuss – nach Zinszusatzreserve und Direktgutschrift (darin enthalten die Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven) – wird auf 99,5 Mio. Euro hochgerechnet (Vj: 102,8 Mio.).

Thomas Krüger: „Mit der Überschussdeklaration für das Jahr 2014 reduziert sich die Gesamtverzinsung auf 4,6 Prozent. Die darin enthaltene laufende Überschussbeteiligung wird moderat auf 3,25 Prozent abgesenkt. Die Schlussüberschussanteile bleiben unverändert.“ Mit dieser Anpassung folgt die Provinzial ihrer auf langfristige Garantien ausgerichteten Kapitalanlagestrategie. Auch eine aktuelle Prüfung und Prognose der Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin bestätigt der Provinzial Leben für die nächsten Jahre hohe Stabilität und Risikotragfähigkeit.
Provinzial Kranken baut Beitragsvolumen und Kundenbestand aus
Die Provinzial Krankenversicherung Hannover AG erwartet auch 2013 einen Anstieg ihrer Beitragseinnahmen, sie wachsen voraussichtlich um 3,5 Prozent auf 59 Mio. Euro. Aufgrund der sehr geringen Beitragsanpassung zum 1. Januar 2013 resultiert das Beitragswachstum dabei fast ausschließlich aus Neugeschäft. Getragen wird diese Entwicklung vor allem durch die 2013 eingeführten Pflegeprodukte „VGH PflegeFlex“ und „VGH PflegeBahr“.

Auch der Versichertenbestand legt kontinuierlich und stabil zu. Zum Jahresende rechnet die Provinzial Kranken mit rund 151.400 Kunden, was einem Plus von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Trotz rückläufiger Branchenzahlen verzeichnet die Provinzial Kranken weiterhin eine positive Nettobestandsentwicklung in der Vollversicherung und erwartet zum Jahresende einen Ausbau des Bestandes auf 14.500 Kunden.

Als erfreulich bezeichnete der Vorstand die Tatsache, dass sich die moderate Entwicklung der Leistungsausgaben aus dem Vorjahr fortgesetzt hat. Die entsprechenden Aufwendungen für Versicherungsfälle steigen von 22,9 Mio. Euro (2012) auf voraussichtlich 24,5 Mio. Euro.

Das Ergebnis der Kapitalanlage wird auf 9,2 Mio. Euro hochgerechnet und übertrifft damit den Vorjahreswert von 7,5 Mio. Euro. Die Nettoverzinsung wächst von 4,0 Prozent auf 4,2 Prozent. Insgesamt erwirtschaftet die Provinzial Kranken einen Überschuss von voraussichtlich 11,2 Mio. Euro vor Steuern und erfolgsabhängiger Rückstellung für Beitragsrückerstattung (Vj: 12,2 Mio.).
Ausblick
Dem kommenden Geschäftsjahr sieht der Vorstand vorsichtig optimistisch entgegen. Hermann Kasten: „Die deutsche Wirtschaft befindet sich am Beginn eines Aufschwungs, der sich 2014 spürbar beleben soll. Wachsender Optimismus wird die Investitionen beflügeln – und damit wird auch die Nachfrage nach Versicherungsschutz steigen.“

Mit der Integration von Aufgaben und Arbeitsplätzen der Regionaldirektion Hannover in umliegende Regionaldirektionen stärkte die VGH 2013 ihre traditionell dezentrale Aufstellung als wesentlichen Wettbewerbsvorteil. Als weitere Erfolgsfaktoren nannte Kasten die gute Produktausstattung, marktgerechte Preise und das landesweit beispiellose Servicenetz der VGH mit ihren elf Regionaldirektionen, rund 500 Vertretungen und etwa 1.200 Sparkassen-Geschäftsstellen zur Betreuung von 1,8 Millionen Kunden.

Trotz zweier schadenintensiver Jahre in Folge sieht der Vorstand die Brandkasse weiter auf Erfolgskurs. Sie ist als regionaler Marktführer mit hohen und wachsenden Marktanteilen bei Gebäuden und Autos besonders von Massenschäden wie Sturm oder Hagel betroffen. „Deshalb haben wir eine gute Absicherung über Rückversicherungen und treffen Bilanzvorsorge durch adäquate Schwankungsrückstellungen“, so Kasten. Gleichzeitig entwickle sich das Beitragsaufkommen der Brandkasse über alle wichtigen Sparten und Kundengruppen hinweg dynamisch weiter.

In der anhaltenden, zunehmend belastenden Niedrigzinsphase erweitert die Provinzial Leben ihr Produktportfolio. Thomas Krüger: „Ab dem Jahr 2014 bieten wir die neue ‚VGH Rente‘ an. Die Kunden können sich dann zwischen drei Produktvarianten entscheiden: die klassische Garantieverzinsung, eine Beitragsgarantie mit Indexbeteiligung oder unsere Investment-Rente mit eigenem, von der VGH gemanagtem Altersvorsorgefonds.“

Nach Einschätzung der Provinzial Kranken hat der Ausgang der Bundestagswahl im September 2013 die Dualität im deutschen Gesundheitssystem gestärkt. Mittelfristig wird es dennoch auch Veränderungsbedarf in der PKV-Branche geben. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung bleibt das Kapitaldeckungsverfahren der privaten Krankenversicherung sowie der Lebensversicherung jedoch ein essenzieller Grundpfeiler der Zukunftsvorsorge.

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